Was ist eine Naturkläranlage?

Eine Naturkläranlage ist eine Pflanzenkläranlage, die ohne Strom und ohne technische Belüftung arbeitet: Das Abwasser durchläuft im Gefälle einen bepflanzten Bodenfilter, in dem Bakterien, Substrat und Wurzelraum die Reinigung übernehmen. Pflanzenkläranlage ist der Oberbegriff für alle bepflanzten Bodenfilter – auch für solche, die mit Pumpe und Steuerung betrieben werden. Naturkläranlage nennen wir die Bauweise, die allein mit Schwerkraft, Substrat und Bewuchs auskommt; Rohre, Schächte, Dichtungsbahn und ein mechanischer Beschicker gehören dazu, ein Stromanschluss nicht. In den Regelwerken heißt diese Verfahrensgruppe „naturnah“ – wir verwenden den Begriff enger, für den stromlosen Betrieb.

300+

realisierte Projekte seit 2016

über 99%

Genehmigungsquote aller eingereichten Planungen

Null

Geruchsbeschwerden bei allen Anlagen

Jahrzehnte

Betriebsdauer einer Anlage

Begriffe

Sechs Begriffe, die oft durcheinandergehen

Naturkläranlage, Pflanzenkläranlage, bepflanzter Bodenfilter, Kleinkläranlage, Rieselfeld, Schilfkläranlage – in Anfragen, Bescheiden und Angeboten tauchen diese Wörter nebeneinander auf und meinen nicht dasselbe. So ordnen wir sie:

Naturkläranlage

Eine Pflanzenkläranlage, die vollständig ohne Strom läuft. Beschickung und Ablauf funktionieren über das Gefälle des Grundstücks, die Reinigung übernehmen Substrat, Bakterien und Wurzelraum. Auch unbelüftete Abwasserteiche zählen wir dazu. Das ist die Bauweise, auf die SWT sich seit über 30 Jahren konzentriert.

Pflanzenkläranlage

Der Oberbegriff für alle Anlagen, die Abwasser in einem bepflanzten Bodenfilter reinigen – gleich ob mit oder ohne Pumpe, als Vertikal- oder Horizontalfilter, für 4 oder 1.000 Einwohnerwerte. Jede Naturkläranlage ist eine Pflanzenkläranlage, aber nicht jede Pflanzenkläranlage ist stromlos.

Bepflanzter Bodenfilter

Der Fachbegriff aus dem Regelwerk DWA-A 262 für das eigentliche Reinigungsbauwerk: ein abgedichtetes Beet aus definiertem Sand und Kies, bepflanzt mit Schilf oder anderen Sumpfpflanzen. Er ist das Herzstück jeder Pflanzenkläranlage – und kann Teil einer Naturkläranlage sein, wenn er ohne Pumpe beschickt wird.

Technische Kleinkläranlage

SBR-Anlagen, Tropfkörper, Membran- oder Festbettverfahren: Reinigung in Behältern mit Belüftung, Pumpen und Steuerung. Sie brauchen dauerhaft Strom, regelmäßige Wartung durch Fachbetriebe und den Austausch von Verschleißteilen. Für Standorte mit Gefälle und Fläche ist die Naturkläranlage die einfachere und im Betrieb günstigere Alternative.

Rieselfeld

Der historische Vorläufer aller Pflanzenkläranlagen: Abwasser wurde offen über Flächen verrieselt, lag an der Luft und stank entsprechend. Das Verfahren ist veraltet und wird heute nicht mehr genehmigt. Mit einer Naturkläranlage hat es nur die Idee gemeinsam, den Boden reinigen zu lassen – dort läuft das Wasser abgedeckt im Filterkörper, ohne Kontakt zur Luft und ohne Geruch.

Schilfkläranlage

Ein Alltagswort, das die Optik beschreibt, nicht die Technik. Das Schilf ist sichtbar, gereinigt wird aber im Substrat darunter. Der Begriff sagt nichts darüber, ob die Anlage stromlos läuft oder wie der Filter aufgebaut ist – für Genehmigung und Planung ist er unbrauchbar, als Beschreibung dessen, was man im Garten sieht, ist er in Ordnung.

Merkmale

Woran Sie eine Naturkläranlage erkennen

Fünf Merkmale unterscheiden eine Naturkläranlage von jeder anderen Bauform – auf dem Grundstück ebenso wie in der Planung.

Schwerkraft statt Pumpe

Vorklärung, Bodenfilter und Ablauf liegen so im Gelände, dass das Wasser von selbst fließt. Ein stromloser Beschicker – Schwallsiphon oder Kippgefäß – gibt es stoßweise auf das ganze Beet. Dieser Beschicker ist so gut wie immer nötig: Anlagen ohne ihn werden ungleichmäßig durchströmt, der Bewuchs wird lückig, die Anlage wirkt nach Jahren verwahrlost. Wir sanieren solche Beete regelmäßig.

Substrat und Wurzelraum statt Belüfter

Der Sauerstoff kommt über die Oberfläche des Filters und die Wurzeln der Pflanzen in den Bodenkörper. Die Reinigung leisten Bakterien im Substrat – das gleiche Prinzip wie im Schilfsaum eines naturnahen Gewässers.

Bewuchs als Anzeiger

Schilf, Rohrkolben oder Binsen zeigen, ob die Anlage im Gleichgewicht ist: gleichmäßiger Wuchs, keine Staunässe, kein Geruch. Wer die Anlage kennt, liest ihren Zustand an der Pflanzendecke ab.

Kunststoff nur, wo er dichtet und leitet

Eine Naturkläranlage ist nicht technikfrei: Dichtungsbahn, Rohre, Kontrollschächte und Vorklärung aus Beton oder Kunststoff gehören dazu. Der Unterschied liegt darin, dass nichts davon Strom braucht oder verschleißt.

Ökologische Aufwertung

Ein bepflanzter Bodenfilter ist Lebensraum. Viele Naturschutzbehörden bewerten eine Naturkläranlage im Rahmen der Eingriffsregelung deshalb als Aufwertung der Fläche – ein Punkt, der in der Genehmigung helfen kann.

Aufbau

So ist eine Naturkläranlage aufgebaut

Vom Haus bis zum Bach fällt das Gelände – deshalb braucht die Anlage keinen Strom. Die Ziffern in der Zeichnung entsprechen den fünf Stationen.

Schnittzeichnung einer Naturkläranlage: Haus, Dreikammergrube, Schwallsiphon, bepflanztes Filterbeet mit Verteil- und Dränrohren, Kontrollschacht und Ablauf in den Bach – stromlos im Gefälle

1 Dreikammergrube: Feststoffe setzen sich ab, das Wasser wird von Kammer zu Kammer klarer. 2 Schwallsiphon: sammelt das vorgeklärte Wasser und gibt es stoßweise weiter – ohne Strom. 3 Verteilrohre in der Kiesschicht: das Wasser wird über das ganze Beet verteilt und sickert senkrecht durch den Sandfilter. 4 Wurzelraum und Substrat: Bakterien am Sandkorn und an den Schilfwurzeln bauen die Inhaltsstoffe ab. 5 Kontrollschacht und Ablauf: das gereinigte Wasser fließt in den Vorfluter oder versickert.

Kontakt

Ist eine Naturkläranlage für Ihren Standort die richtige Lösung?

Schildern Sie uns Grundstück, Gefälle und Personenzahl – Sie sprechen direkt mit dem Planer. Wenn eine Naturkläranlage an Ihrem Standort nicht die beste Lösung ist, hören Sie das von uns offen.

oder direkt anrufen: +49 6004 - 91 57 275

Mo–Fr, 08:00–18:00 Uhr · info@naturklaeranlagen.de

Fragen zum Begriff

Ist Naturkläranlage dasselbe wie Pflanzenkläranlage?

Nicht ganz. Pflanzenkläranlage ist der Oberbegriff für alle bepflanzten Bodenfilter. Naturkläranlage nennen wir die Variante, die ohne Strom und ohne technische Belüftung auskommt. Wer eine Pflanzenkläranlage mit Pumpe betreibt, hat eine Pflanzenkläranlage – aber keine Naturkläranlage.

Warum sagt SWT Naturkläranlage?

Weil der Begriff beschreibt, was die Anlage ausmacht: Sie arbeitet mit den Mitteln der Natur – Gefälle, Boden, Bakterien, Pflanzen – und nicht mit Aggregaten. Wir haben in über 30 Jahren ausschließlich solche Anlagen geplant. Der Name ist unser Anspruch an jede Planung: so wenig Technik wie möglich, so viel Standortkenntnis wie nötig.

Ist eine Naturkläranlage eine Kleinkläranlage im Sinne der Regelwerke?

Ja. Sie gilt als Kleinkläranlage mit einer Vorklärung nach DIN 4261 und wird nach dem Arbeitsblatt DWA-A 262 für bepflanzte Bodenfilter geplant. Der Begriff Naturkläranlage ist kein Normbegriff – in den Regelwerken heißt die Verfahrensgruppe „naturnah“. Für Behörde und Genehmigung zählt die Bauart, nicht das Wort.

Braucht eine Naturkläranlage eine Zulassung?

Für Anlagen bis 50 Einwohnerwerte haben wir mit PKA-ELSA die bauaufsichtliche Zulassung, auf die sich die Genehmigung stützt. Größere Anlagen werden individuell nach DWA-A 262 geplant und wasserrechtlich erlaubt. In beiden Fällen führen wir das Verfahren mit der Unteren Wasserbehörde – Sie müssen dort nicht selbst argumentieren.

Kann jede Pflanzenkläranlage stromlos betrieben werden?

Nein. Ob eine Anlage ohne Pumpe auskommt, entscheidet das Gelände: Zwischen Vorklärung, Bodenfilter und Vorfluter oder Versickerung braucht es ausreichend Höhenunterschied. Fehlt er, bleibt eine Pflanzenkläranlage mit Pumpe möglich – wir sagen Ihnen im Erstgespräch, welche Variante an Ihrem Standort trägt.