Ein Abend über Bäume, der beim Wasser endete

veröffentlicht am 17. September 2026

In Eberstadt durfte ich am mittleren Mittwoch im September einen Talk über Biodiversität moderieren. Der Dorf- und Kulturladen war ausverkauft, die Warteliste lang. Geblieben ist ein Gedanke, den wir aus unserer eigenen Arbeit kennen: Ob Regenwasser in der Fläche bleibt, entscheidet sich früh, im Bauablauf.

Ein Abend, der anders lief als geplant

Eingeladen waren Jakob Nolte und Dennis Buch. Die beiden bewirtschaften in Röthges einen Baumgarten und planen unter dem Namen biodivers.gestalten Flächen für Kommunen und Unternehmen: Magerflächen, Blühwiesen, Straßenbegleitgrün, Firmengelände. Jakob Nolte, Biologe und Botaniker, musste am Nachmittag kurzfristig aus familiären Gründen absagen.

Dennis Buch kam allein, mit den Folien seines Kompagnons. Er hat den Abend komplett getragen und dort, wo sein Wissen endete, das auch gesagt. Wer schon einmal vor Publikum über das Fachgebiet eines anderen gesprochen hat, weiß, was das verlangt. Der Saal hat es ihm gedankt und bis nach 22 Uhr mitdiskutiert.

Was auf den Flächen passiert

Die Projekte von biodivers.gestalten finden in großen Städten statt, wo Entsiegelung besonders dringlich ist, aber auch in der ländlichen Nachbarschaft. Etwa die Fläche „Die Burg“ in Laubach-Röthges. Sie war von Robinien überwachsen und vermüllt; gemeinsam mit der Stadt und dem NABU wurde der Boden abgetragen, Kalkschotter aufgebracht und Saatgut ausgebracht, darunter Arten der Roten Liste. Nach zwei Vegetationsperioden ist vom Schotter kaum noch etwas zu sehen. Gemäht wird zweimal im Jahr; das Mähgut wandert als Mulch in die Baumstreifen des Baumgartens.

Das bislang größte Projekt zeigte eine ganze Straße. Im Landwehrweg in Buseck entstanden bei der Erneuerung rund 30 Pflanzflächen; gepflanzt wurden Großbäume, Stauden und Blumenzwiebeln – natürlich nicht irgendwelche. Ein Baum, sagte Dennis Buch, sei eine Klimaanlage, die nichts kostet: Solange er Wasser zur Verfügung hat, verdunstet er und senkt die Temperatur seiner Umgebung, zusätzlich zum Schatten.

Wohin das Regenwasser läuft

Geplant war dort mehr als Bepflanzung. Die Pflanzflächen sind an die Entwässerung angeschlossen, und auch die Parkplätze entwässern in sie hinein statt in den Kanal. Das Regenwasser läuft damit dorthin, wo es gebraucht wird: Es legt den Bäumen einen Vorrat für den Sommer an und entlastet bei Starkregen das Netz. Wer so etwas will, muss es in der Entwurfsphase entscheiden; nachträglich ließe es sich nur aufwändig und teuer herstellen, indem die fertige Straße wieder geöffnet wird. Und weil frisch gepflanzte Bäume in den ersten Jahren trotzdem Anwuchspflege brauchen, fuhr Dennis Buch im Ehrenamt mit einem ausgedienten Feuerwehrfahrzeug die Bepflanzung ab und wässerte sie wöchentlich.

An dieser Stelle ist der Abend in unser Fach gekippt. Ob eine Mulde, eine Rigole, ein Gründach oder ein bepflanzter Bodenfilter: Alles, was Wasser auf einem Grundstück hält, kostet während einer laufenden Baustelle einen überschaubaren Aufschlag, aber nachträglich kostet es plusminus die komplette Baustelle ein zweites Mal. Regenwasser zurückhalten ist weniger eine Frage der Überzeugung als eine Frage des Zeitpunkts im Bauablauf. Wer diesem Aspekt in der Entwurfsphase ein paar Stunden Planungszeit gibt, entscheidet darüber, wie das Grundstück in zehn Jahren mit Hitze und Starkregen zurechtkommen wird.

Christian Schulz begrüßt mit Notizzettel in der Hand, daneben steht Dennis Buch

Was sich rechnet

Die Frage nach dem Geld kam aus dem Publikum, und sie kam mehrfach. Dennis Buch hat offen gerechnet: Bei Flächen im Bestand liegt die Anfangsinvestition höher. Läuft ohnehin eine Baustelle, sind Gerät und Material vor Ort, und der Aufschlag bleibt überschaubar. Im Unterhalt kehrt sich das über die Jahre um, weil zwei Pflegegänge im Jahr weniger Aufwand bedeuten als regelmäßiges Mähen. Für kommunale Vorhaben gibt es Förderprogramme, die einen erheblichen Teil tragen.

Für private Grundstücke gibt es keine Vorgaben. Wer eine Schotterfläche hat, kann Kompost einarbeiten und darauf magere Arten etablieren; der Untergrund ist für solche Pflanzen oft brauchbarer, als er aussieht. Und wer ein Dach hat, hat einen Wasserspeicher, der bisher in den Kanal läuft.

Ein Wort ist an diesem Abend selten gefallen und lag doch über allem: Entsiegelung. Jeder Quadratmeter, der Wasser wieder aufnimmt, statt es in den Kanal zu schicken, entlastet zweimal, das Netz beim nächsten Starkregen und den Boden in der nächsten Hitze. Eine aufgebrochene Pflasterfläche, ein Schotterstreifen, der Kompost und Pflanzen bekommt, eine Rinne, die in eine Mulde statt in den Gully führt: Das sind kleine Eingriffe mit langer Wirkung, und sie lassen sich fast immer mit dem verbinden, was am Haus oder an der Straße ohnehin ansteht.

Eine Tasse Kürbissuppe auf dem Tisch im Dorf- und Kulturladen, daneben Brot

Nach der Suppe

Nach der Kürbissuppe aus eigenem Anbau ging es thematisch in den Baumgarten: 5.000 Quadratmeter, davon 1.000 Quadratmeter reine Anbaufläche, rund 300 in zwei Jahren gepflanzte Bäume und Sträucher, ein Naturteich, der ohne Chemie auskommt und im Sommer als Wasserspeicher dient. Beschönigt wurde nichts. Der Kohl fiel in der Dürre komplett aus, der Spinat ließ sich nur einmal schneiden, und ohne Leitungswasser wäre kaum etwas durch den Sommer gekommen. Als Nächstes entsteht deshalb ein Bewässerungsteich, gespeist aus dem Dachwasser des Wohnhauses. Auch das ist Regenwasserbewirtschaftung, nur ohne Planungsbüro.

Der schönste Teil des Abends stand in keinem Programm: Drei junge Landwirte aus der Region haben sich noch im Saal mit Dennis Buch verabredet und fahren demnächst nach Röthges, um sich den Baumgarten anzusehen.

Sie planen für Ihre Gemeinde, Ihren Betrieb oder Ihr Grundstück und wollen Abwasser, Regenwasser und Fläche zusammen denken? Schildern Sie uns Ihre Lage; wir sagen Ihnen, was möglich ist, und auch, was wir nicht empfehlen würden.