Moorschutz beginnt im Dränagegraben
Über Moore wird meist gesprochen, wenn es um Kohlenstoff geht. Entwässerte Moore gelten inzwischen als größte Einzelquelle für Treibhausgase außerhalb des Energiesektors – Wiedervernässung ist deshalb zu Recht ein politisches Thema. Weniger Aufmerksamkeit bekommt der zweite Angriffspunkt: Ein Moor funktioniert nur, solange sein Milieu nährstoffarm bleibt. Genau das ist in einer Agrarlandschaft nicht selbstverständlich – und genau hier setzt eine Denitrifikationsanlage an.
Die Einträge kommen selten aus einem Rohr, das man abstellen könnte. Sie kommen flächig, über großflächige Dränagesysteme, die Stickstoff aus dem Boden auswaschen und in den nächsten Vorfluter leiten – oder eben in das angrenzende Moor. Diffus heißt: keine einzelne Quelle, kein einzelner Verursacher, keine klassische Abwasserbehandlung. Wer hier ansetzen will, muss das Wasser dort abfangen, wo es gesammelt anfällt: am Dränageauslauf.
Die Denitrifikationsanlage: eine Anlage, von der man nichts sieht
Dafür gibt es ein Verfahren, das mit den Mitteln der Natur arbeitet: die Denitrifikationsanlage1. Der Gedanke dahinter ist schlicht. Bakterien, die im Boden ohnehin vorkommen, können Nitrat zu elementarem Stickstoff umsetzen und damit aus dem Wasser entfernen – sie brauchen dafür nur eine Kohlenstoffquelle und ein sauerstoffarmes Milieu. Beides lässt sich herstellen: Ein unterirdischer Reaktor wird mit Holzhackschnitzeln gefüllt, das Dränagewasser durchströmt ihn langsam, das Holz liefert den Kohlenstoff über Jahre nach.
Was daraus entsteht, ist eine Anlage ohne Technikbild. Kein Strom, keine Chemie, keine Pumpe, kein Geräusch. Von außen sind auf der Wiese nur ein paar Entlüftungsrohre zu sehen; darunter arbeitet der Reaktor seit Jahren und liefert stabile Ergebnisse im Nährstoffrückhalt. Für einen Standort im Naturschutzgebiet ist genau das der entscheidende Punkt: Die Maßnahme verändert das Landschaftsbild nicht und braucht keine Infrastruktur, die es dort nicht gibt.

Vom Mürmes bis in den Schwarzwald
Den fachlichen Einstieg in dieses Thema markierte die Fachtagung „Moore in Rheinland-Pfalz“ der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz in Birkenfeld. Ökologen, Biologen, Geologen und Wasserwirtschaftler stellten dort ihre Konzepte zum Schutz der Moore vor; Christian Schulz präsentierte die von ihm geplante Denitrifikationsanlage am Mürmes. Der Grundgedanke – eine externe Kohlenstoffquelle als Voraussetzung für den Nitratrückhalt – war damals für viele Teilnehmende neu.
Inzwischen ist aus dem Einzelfall ein Bautyp geworden, der überall dort infrage kommt, wo Dränagewasser aus landwirtschaftlichen Flächen ein empfindliches Gewässer erreicht. Für das Naturschutzgroßprojekt Baar im Schwarzwald haben wir geprüft, ob sich die dortigen Moorflächen mit energieautarken Denitrifikationsanlagen beziehungsweise bepflanzten Bodenfiltern vor Überdüngung schützen lassen. Die Frage ist in solchen Projekten selten, ob das Verfahren funktioniert – sondern wie viel Fläche, welches Gefälle und welche Wassermengen am konkreten Standort zusammenkommen. Das ist Sache der Planung und lässt sich nicht vom Schreibtisch aus beantworten.

Wenn Politik danebensteht

Im Sommer 2023 stand die Anlage im Mittelpunkt eines Ortstermins mit der rheinland-pfälzischen Klimaschutzministerin Katrin Eder und Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Behörden und Verbänden. Solche Termine sind für uns weniger Bühne als Gelegenheit: Sie führen die Menschen zusammen, die über Flächen, Fördermittel und Genehmigungen entscheiden – und stehen dabei buchstäblich auf der Anlage, ohne sie zu sehen.
Was das für Kommunen und Flächeneigentümer heißt
Der Rückhalt diffuser Nährstoffeinträge ist kein Ersatz für Wiedervernässung und keine Entschuldigung für zu viel Dünger. Er ist ein Baustein, der genau dann trägt, wenn ein schützenswertes Gewässer unterhalb landwirtschaftlicher Flächen liegt und die Einträge sich nicht an der Quelle vermeiden lassen. Ob er sich lohnt, entscheidet sich am Standort: an den Frachten, am Platzangebot, an der Frage, ob das Wasser mit Gefälle geführt werden kann. Für Kommunen gehört diese Prüfung meist in denselben Zusammenhang wie die naturnahe Abwasserbehandlung selbst.
Sie haben ein Gewässer oder ein Moor mit Nährstoffproblem und wollen wissen, ob ein Bodenfilter oder eine Denitrifikationsanlage dort etwas ausrichtet? Eine erste Einschätzung machen wir am Telefon – und wenn das Verfahren nicht die richtige Antwort ist, sagen wir das auch.
1 Eine Denitrifikationsanlage ist ein unterirdischer, mit Holzhackschnitzeln gefüllter Reaktor, den nitratbelastetes Dränagewasser langsam durchströmt. Bodenbakterien nutzen den Kohlenstoff des Holzes und wandeln das Nitrat im sauerstoffarmen Milieu zu elementarem Stickstoff um, der in die Luft entweicht – ohne Strom, Chemie oder bewegliche Teile. ↩

