Wasser ist weiblich. Und wir planen noch immer, als wäre es das nicht.
Zum Weltwassertag 2026
Was Menstruationshygiene, Kanalrohre und Pflanzenkläranlagen miteinander zu tun haben – und warum die Lösung näher liegt, als wir denken.
Es gibt zwei Bilder, die mich in diesem Jahr nicht loslassen.
Das erste, erst kürzlich in meiner Tageszeitung:
Eine Frau in einem Dorf im subsaharischen Afrika, die nachts das Haus verlässt, um sich zu waschen. Keine Toilette. Kein fließendes Wasser. Keine Privatsphäre. Ihre Periode ist ein physiologisches Ereignis, das sie nicht in Ruhe managen kann. Sondern ein logistisches Problem, das an mindestens 10 Prozent der Tage eines jeden Monats neu gelöst werden muss – mit dem, was vorhanden ist. Und das ist meistens fast nichts.
Das zweite Bild:
Ein verstopftes Pumpwerk in einer deutschen Kläranlage. Die Ursache: Feuchttücher, Slipeinlagen, Hygieneprodukte – alles, was hier unachtsam und wie selbstverständlich die Toilette hinuntergespült wird, obwohl es dort schlicht nichts verloren hat. Mikroplastik, sog. Fettberge, Schäden in Millionenhöhe.
Beide Bilder gehören zum selben Thema. Dem Thema des Weltwassertages 2026:
Water and Gender. Wasser und Geschlecht.
Wer dieses Motto zum ersten Mal liest, denkt vielleicht an Entwicklungspolitik. An ferne Länder, an strukturelle Ungleichheiten, die weit weg sind.
Die Gleichzeitigkeit dieser beiden Bilder zeigt: Das Thema endet nicht an der Grenze. Es beginnt hier. In unseren Rohren. In unseren Planungsbüros. In den Fragen, die wir stellen – und den Fragen, die wir vergessen.
Wer nicht plant, wird nicht mitgedacht
500 Millionen Frauen und Mädchen weltweit haben während ihrer Menstruation keinen Zugang zu sicherer Sanitärinfrastruktur. Das bedeutet: Schule, die ausfällt. Bewegungsfreiheit, die eingeschränkt wird. Gesundheitsrisiken, die steigen. Würde, die verhandelt werden muss.
Gleichzeitig ist Wasserwirtschaft = die Disziplin, die darüber entscheidet, ob und wie Wasser fließt, gereinigt wird und wohin es geht – eine der am wenigsten diversen Branchen überhaupt. Nur wenige der Entscheidungspositionen weltweit sind weiblich besetzt.
Das ist kein Zufall. Und es ist kein Randproblem.
Wer nicht am Tisch sitzt, wenn geplant wird, dessen Bedürfnisse werden nicht mitgeplant. So einfach ist das.
Ich arbeite in einer kleinen Arbeitsgruppe. Wir sind vier Solopreneure, die sich mit naturnaher Abwasserreinigung beschäftigen. Mit Pflanzenkläranlagen. Mit geschlossenen Wasserkreisläufen. Mit Lösungen für Orte, die kein Kanalnetz kennen und keines in absehbarer Zeit bekommen werden.
Naturnahe Lösungen als struktureller Beitrag zur Gleichstellung
Was wir bauen, ist technisch wenig spektakulär. Schilf, Kies, Mikroorganismen, mehrere Bodenschichten. Kein Hochdrucksystem, keine KI, kein Energiehunger, keine komplexe Wartung. Wasser wird bei uns so gereinigt, wie Ökosysteme es seit Jahrtausenden tun: langsam, schichtweise, rhythmisch. Das Ergebnis ist sauberes Wasser.
Eine funktionierende Toilette, sauberes Abwasser, ein geschlossener Kreislauf – das ist kein Luxus. Das ist die Grundlage dafür, dass ein Mädchen in die Schule gehen kann. Dass eine Frau nachts sicher ist. Dass eine Gemeinschaft Gesundheit nicht dem Zufall überlässt.
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Und genau hier verbinden sich die beiden Bilder, die mich nicht loslassen.
Dezentrale, naturnahe Sanitärlösungen sind nicht nur eine technische Alternative zum Kanalnetz. Sie sind ein struktureller Beitrag zur Gleichstellung. Weil sie dort funktionieren, wo zentrale Infrastruktur endet.
Weil sie wartungsarm genug sind, um ohne externes Expertenwissen zu laufen. Weil sie erschwinglich genug sind, um auch in Regionen eingesetzt zu werden, die sonst schlicht vergessen werden.
Das ist der Zusammenhang, den ich in diesem Weltwassertag sehe.
Nicht: Frauen sind Opfer der Wasserkrise.
Sondern: Wasserlösungen, die alle einschließen, entstehen nur dann, wenn alle an ihrer Entwicklung beteiligt sind.
Wie kommen wir hier weiter?
Erstens, wir müssen damit aufhören, Wasser als neutrales Gut zu behandeln. Wer Zugang hat, wer nicht, unter welchen Bedingungen, mit welcher Würde – das sind Geschlechterfragen. In Tansania. In der Ukraine. (Auch in einer abgelegenen Gemeinde in Bayern, wo der nächste Kanal zwanzig Kilometer entfernt ist.)
Zweitens, Planungsteams müssen diverser werden. Nicht als Zugeständnis. Sondern weil unterschiedliche Perspektiven zu besseren Fragen führen – und bessere Fragen zu besseren Lösungen. Das ist keine Theorie. Das ist Erfahrung.
Und es bedeutet drittens etwas sehr Praktisches, das jeder sofort umsetzen kann:
Keine Feuchttücher in die Toilette. Auch nicht die, auf denen „flushable“ steht. Hygieneprodukte gehören in den Restmüll.
Was das konkret bedeutet – für die Planung und für die Toilette
Punkt drittens klingt so klein. Ist er nicht. Verstopfte Pumpen, Kanalschäden und Mikroplastik in Gewässern sind das direkte Ergebnis dieser einen Gewohnheit – und sie betrifft Kläranlagen von Berlin bis Bangalore.
Wasser verbindet alles. Den Kreislauf im Boden und den Kreislauf im Körper. Die Entscheidung am Planungstisch und den Zugang am frühen Morgen. Das, was wir als selbstverständlich wegspülen, und das, wofür andere jeden Tag kämpfen.
Der Weltwassertag erinnert uns einmal im Jahr daran.
Aber reicht das? Nein das reicht natürlich nicht.
Wenn Sie, wenn du mehr über naturnahe Abwasserlösungen erfahren möchtest – wie sie funktionieren, wo sie eingesetzt werden und was sie konkret leisten –
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